Ringelblume
Die Ringelblume, Calendula officinalis, ist eine einjährige Pflanze aus der Familie der Korbblütler. Ursprünglich im Mittelmeerraum beheimatet, wird sie heute in ganz Europa angebaut, auch in der Schweiz, wo sie im Freiland gut gedeiht. Ihre leuchtend orangen Blütenköpfe blühen von Mai bis zum ersten Frost — daher der lateinische Name, abgeleitet von calendae, in Anspielung auf die fast durchgehende Blüte.
Nicht zu verwechseln mit dem Acker-Ringelblume (Calendula arvensis), die kleiner ist und nicht verwendet wird, und ebenso wenig mit den Tagetes, oft Studentenblume genannt, die einer anderen Gattung angehören.
Als Rohstoff dienen die getrockneten Blütenblätter oder die ganzen Blütenköpfe.
Ein Ölauszug, kein Öl
Das unterscheidet die Ringelblume von den bisher behandelten Rohstoffen. Ihre Blüten enthalten praktisch kein Öl — ein «Ringelblumenöl» im Sinne eines gepressten Öls gibt es also nicht.
Was unter diesem Namen angeboten wird, ist ein Ölauszug: getrocknete Blüten, die mehrere Wochen in einem Pflanzenöl mazeriert werden, meist Sonnenblumen- oder Olivenöl, und anschliessend filtriert. Das Öl nimmt die fettlöslichen Bestandteile der Blütenblätter auf und färbt sich gelb bis orange.
Daraus folgt praktisch: Die Eigenschaften des fertigen Produkts hängen ebenso sehr vom Trägeröl ab wie von der Ringelblume selbst. Ein Auszug auf klassischem Sonnenblumenöl hält weniger lang als einer auf ölsäurereichem Sonnenblumen- oder Olivenöl. Die INCI bildet das ab, indem sie beides nennt, etwa Helianthus Annuus Seed Oil, Calendula Officinalis Flower Extract.
Extrakt, Tinktur, Hydrolat
Der Extrakt (Calendula Officinalis Flower Extract) entsteht durch Mazeration in einem Lösungsmittel, je nach Verfahren ölig oder wässrig. Das ist die häufigste Form in der INCI.
Die Tinktur ist ein alkoholischer Auszug, vor allem in traditionellen Zubereitungen gebräuchlich.
Ein Hydrolat existiert, bleibt aber selten, da die Ringelblume bei der Destillation wenig hergibt.
Die ganzen getrockneten Blüten schliesslich dienen für Aufgüsse, für selbst angesetzte Auszüge und als Seifendekor.
Zusammensetzung
Die Blütenblätter enthalten Carotinoide — darunter Lutein und Lycopin —, die die orange Färbung des Auszugs erklären, dazu Flavonoide, Triterpene und einen geringen Anteil Schleimstoffe. Ätherisches Öl enthält die Ringelblume nicht in nutzbarer Menge.
Anwendung in der Kosmetik
Der Ölauszug wird wie andere Pflanzenöle verwendet, pur oder als Fettphase. Man findet ihn in der Körperpflege, der Handpflege, der Lippenpflege und der Gesichtspflege. Stark vertreten ist er auch in Sortimenten für Babys und Kleinkinder.
In der Seifenherstellung dient er als ergänzendes Fett, die ganzen Blütenblätter als Dekor — wobei zu bedenken ist, dass sie im Kontakt mit Lauge braun werden. Für die Eigenherstellung lässt er sich mit Basiszutaten und Hydrolaten verarbeiten.
Anwendung in der Küche
Ringelblumenblätter in Lebensmittelqualität sind essbar. Sie werden als Aufguss verwendet oder frisch und fein geschnitten über Salate gegeben, wo ihre Farbe gut zur Geltung kommt. Lange dienten sie als Safranersatz zum Färben von Speisen, was ihnen den Beinamen «Safran des armen Mannes» eintrug — die Farbe stimmt, der Geschmack nicht.
Vorsichtsmassnahmen
Die Ringelblume gehört zu den Korbblütlern, wie Arnika, Kamille und Beifuss-Ambrosie. Wer auf diese Pflanzenfamilie sensibilisiert ist, sollte dies berücksichtigen, auch bei äusserlicher Anwendung.
Bei bekannter allergischer Veranlagung oder im Zweifelsfall ist vor der Anwendung ärztlicher oder allergologischer Rat einzuholen.
Aufbewahrung
Die Haltbarkeit des Ölauszugs richtet sich nach dem Trägeröl: sechs bis zwölf Monate auf klassischem Sonnenblumenöl, länger auf einem stabileren Öl. In lichtundurchlässiger Flasche, vor Licht und Wärme geschützt. Getrocknete Blüten halten ein bis zwei Jahre in dicht schliessendem Gefäss, vor Feuchtigkeit und Licht geschützt, das die Farbe ausbleichen lässt.
Häufige Fragen
Ringelblume oder Calendula?
Dieselbe Pflanze. «Ringelblume» ist der deutsche Name, «Calendula» der lateinische, der in den allgemeinen Sprachgebrauch übergegangen ist.
Gibt es ein Ringelblumenöl?
Nein. Die Blüten enthalten kein Öl. Was so genannt wird, ist ein Ölauszug: getrocknete Blüten, in einem Pflanzenöl mazeriert und anschliessend filtriert.
Warum nennt die INCI zwei Bestandteile?
Weil ein Ölauszug aus dem Trägeröl und dem Blütenextrakt besteht. Beide werden aufgeführt, etwa Helianthus Annuus Seed Oil, Calendula Officinalis Flower Extract.
Gibt es ein ätherisches Ringelblumenöl?
Nicht in nutzbarer Menge. Die Pflanze eignet sich nicht zur Destillation.
Sind die Blütenblätter essbar?
Jene in Lebensmittelqualität ja — als Aufguss oder im Salat. Blüten für Dekorationszwecke sind nicht zum Verzehr bestimmt.
Wie lange hält ein Ölauszug?
Das hängt vom Trägeröl ab: sechs bis zwölf Monate auf klassischem Sonnenblumenöl, länger auf einem stabileren Öl.
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